Detektivarbeit gegen Schädlinge

Mit einer etwas anderen Art der Gesundheitsgefährdung hat Bärbel Holl, Inhaberin von Besto Hygienica, zu tun. Seit Anfang der 90er-Jahre kümmert sie sich um jegliche Art von Schädlingen – von Flöhen über Ameisen oder Schaben bis zu Ratten. „Die Größe ist dabei vollkommen unwichtig“, so Holl, die auch Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung ist. „Schaden können alle anrichten.“ Weil jeder Auftrag immer auch eine neue Herausforderung ist, geht das Besto-Team grundsätzlich methodisch vor, fast wie Detektive auf Spurensuche. „Unser Ziel ist es immer, die Ursache für das Problem zu finden und diese zu beseitigen. Wir sind keine typischen Kammerjäger, die mit der Chemiekeule Ungeziefer töten.“ Das, so erklärt Holl, sei in den allermeisten Fällen auch wenig zielführend.
Schädlinge sind meistens nützliche Zersetzer in der Natur, sie richten janicht bewusst Schaden an.
Bärbel Holl

Der erste Schritt bei der Untersuchung eines neuen Falls ist die Bestimmung des Schädlings. Womit hat man es zu tun? Ohne dieses Wissen ist ein weiteres Vorgehen gar nicht möglich. In den meisten Fällen gelingt es dem Besto-Team, das selbst herauszufinden. „Dafür braucht es eine große Portion Erfahrung“, sagt Bärbel Holl. Es gebe eine unzählige Vielfalt verschiedener Arten. Trotz der jahrelangen Erfahrung beziehungsweise, wenn keine gesicherten Erkenntnisse gemacht werden können, ist es manchmal notwendig, eine Vermutung abklären zu lassen. Dann zieht Bärbel Holl einen Entomologen zu Rate. Der kann eine DNA-Probe, zum Beispiel einen Flügel eines Insekts, mit einer bundesweiten Datenbank abgleichen und so die genaue Art des Schädlings feststellen.

Warum ist es überhaupt so wichtig, sich frühzeitig um Schädlinge zu kümmern?

Insekten und andere Schädlinge können Viren, Keime und Bakterien übertragen. So gibt es beispielsweise die sogenannte Kanalarbeiterkrankheit oder auch Weilsche Krankheit. Eine Infektionskrankheit, die durch bakterielle Erreger verursacht wird. Als Überträger gelten vorrangig Ratten, die die Keime durch Urin ins Abwasser eintragen. Ihren Namen erhielt die Krankheit, weil zahlreiche Mitarbeiter aus dem Bereich der Abwassertechnik davon betroffen waren. Eine Infektion ist über Risse in der Haut, Wunden oder die Schleimhäute möglich. Im Krankheitsverlauf kann es zu schwerwiegenden Organkomplikationen kommen. Bei direktem Kontakt mit dem Kot besteht die Gefahr einer Salmonelleninfektion, Wurmerkrankungen oder Typhus.

Ameisen als Abrisskommando

Jede Art von Schädlingsbekämpfung diene übrigens sowohl der Gesundheit als auch dem Erhalt von Lebens- und Futtermitteln sowie von Materialien, erklärt Holl. Eine der vielen verschiedenen Ursachen für einen Schädlingsbefall sei zum Beispiel Feuchtigkeit im Mauerwerk. Im schlimmsten Fall haben sich bereits Schimmelpilze gebildet, die wiederum echten Schaden anrichten können. Die durch Schimmel entstehenden Zwischenräume und kleinen Risse werden dann von Ameisen mit Nestern gefüllt. „Ameisen sind die am meisten unterschätzten Schädlinge“, so Bärbel Holl. „Fortschreitender Ameisenbefall kann ein Gebäude empfindlich schädigen.“ Wer zu spät handelt, hat es dann eventuell mit teuren Sanierungsmaßnahmen zu tun.

Die beste Form der Schädlingsbekämpfung ist und bleibt die Prävention, sagt Bärbel Holl. Diese Überzeugung hat sich im Berufsstand der Schädlingsbekämpfer erst langsam durchgesetzt. „Früher gab es diese Einsicht nicht“, so Holl. Regelmäßige Kontrollen, Hygienemaßnahmen und das frühzeitige Erkennen von potenziellen Gefahren verhindern am effektivsten einen Schädlingsbefall und die mit der Beseitigung verbundenen Kosten. Einen Groll hegt die Besto-Chefin übrigens nicht gegen die kleinen Insekten und Tiere, mit denen sie täglich zu tun hat: „Schädlinge sind meistens nützliche Zersetzer in der Natur, sie richten ja nicht bewusst Schaden an.“ Das sage sie auch ihren Kunden, die nicht selten eine andere Meinung von dem Ungeziefer haben. Was übrigens kaum einer weiß: Schädlingsbekämpfer/-in ist erst seit 2003 ein anerkannter Beruf mit einer dreijährigen Ausbildungszeit. Bärbel Holl hat sich zusammen mit anderen Kollegen zehn Jahre lang dafür eingesetzt – ein langer und steiniger Weg, der viel Geduld gefordert hat.

Ein besonders extremes Beispiel für einen Befall hat Bärbel Holl vor einigen Jahren in Wuppertal erlebt. Es ging um die Blatella germanica, also die deutsche Schabe, im Volksmund auch Kakerlake genannt – extrem viele davon. Sogar die örtlichen Tageszeitungen haben darüber berichtet, so Holl. Betroffen war ein ganzes Wohn- und Geschäftshaus mit einem Imbiss im Erdgeschoss. „Den hatten wir natürlich als erstes in Verdacht als Ursache“, erzählt die Schädlingsbekämpferin. Über Monate hat das Team von Besto Hygienica vor Ort gearbeitet. Zuletzt blieb nur eine Wohnung übrig, die als Quelle des Befalls infrage kam. Die Wohnung war voll mit alten und kaputten Elektrogeräten, die der Bewohner über Jahre angesammelt hatte. Hier konnten sich die Schaben in Ruhe einrichten und vermehren und haben sich dann über das gesamte Haus und sogar bis auf die angrenzenden Grundstücke verbreitet. „So etwas habe ich vorher noch nicht erlebt“, sagt Bärbel Holl. Die Schaben hatten sogar die Elektrik des Aufzugs außer Gefecht gesetzt. Ein für alle Beteiligte dramatischer Fall. Am Ende gelang es dann trotzdem, das Haus wieder bewohnbar zu machen. Die Hausbewohner, der Vermieter und alle anderen Beteiligten waren dafür natürlich dankbar. Bärbel Holl: „Die Menschen sind immer sehr erleichtert, wenn wir Erfolg haben und das ist natürlich schön. Deshalb liebe ich meinen Beruf.“

Orginalartikel https://www.bergische-wirtschaft.net/44-1502-.html

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