Schädlingsbekämpfer-Messe Mit Kanonen gegen Krabbler

Schädlingsbekämpfer-Messe  Mit Kanonen gegen Krabbler

Die Elite der europäischen Schädlingsbekämpfer hat sich (samt Chagas-Wanze) in Dortmund zur Messe Eurocido getroffen.
Bärbel Holl (58) aus Wuppertal ist seit 23 Jahren Schädlingsbekämpferin und Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung.

Dortmund –

Hinter Glas krabbelt sie: Eine Chagas-Wanze. Lange haarige Beine, knackiger Panzer, fetter Rüssel, der sich auch in Menschen bohrt. Bäh! Solche Schädlinge haben wir in Deutschland nicht, dafür anderes Ungeziefer. Da hilft oft nur der Kammerjäger.

Die Elite der europäischen Schädlingsbekämpfer hat sich (samt Chagas-Wanze) in Dortmund zur Messe Eurocido getroffen. Wir haben sie dort nach ihren Waffen und schlimmsten Fällen gefragt. Die Antworten kribbeln …

Ihr Job ist das Töten, ihre Gegner finden die meisten Menschen ekelerregend und im schlimmsten Fall bringt sie von einem Einsatz einen ungebetenen Gast mit heim. Bärbel Holl (58) aus Wuppertal ist seit 23 Jahren Schädlingsbekämpferin und Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung. Eine schicke Frau – und die bringt Käfer um die Ecke?

An ihrem Hals glitzert eine Kette mit einer adretten pinken Fliege als Anhänger. Schädlingsbekämpfer haben offenbar Humor. „Das Töten ist das Unschönste an meine Beruf“, sagt sie. „Das Beste ist, dass man verzweifelten Menschen eine Lösung bieten kann. Ich hatte mal eine Familie, die hat zwei Jahre mit Katzenflöhen gelebt. Aus Scham haben sie versucht, dem Problem selbst Herr zu werden. Ohne Erfolg. Als ich denen sagte, dass ich die Flöhe in 24 Stunden weg habe, hatte die Frau einen Zusammenbruch.“

Holls härtester Fall: Eine Kakerlaken-Orgie. „Aus einem einzigen Weibchen mit 35 Eiern wurden binnen Wochen 1 Mio Tiere.“ Die hatten 16 Wohnungen in einem Mehrfamilienhauses befallen. Da half nur Gift. Auf das verzichtet Holl am liebsten, auch weil die Vorgaben für die Verwendung seit diesem Jahr in der EU noch strenger geworden sind.

Sie lockt z. B. lieber in Lebend-Fallen, bei einigen Tieren ist das aber gar nicht so einfach. „Mäuse sind extrem wählerisch. Neulich hatte ich eine Maus, die fraß ausschließlich Paprika-Chips.“

Besonders fies sind Bettwanzen, die gerade weltweit auf dem Vormarsch sind. Die Biester klettern nachts zu einem ins Bett und stechen. „Die sind unglaublich hartnäckig, da bleibt oft nur der Rückbau der Wohnung“, sagt Holl. Gruselig.

Einige „Schädlinge“ entpuppen sich aber als ganz harmlos. „Wir haben immer wieder Anrufe wegen Heimchen“, erzählt Holl und grinst. „Meist ist es aber kein Heimchen, das in regelmäßigen Abständen einen spitzen Piepton von sich gibt – sondern der Rauchmelder, dessen Batterie sich dem Ende zuneigt.“

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Montag, 24. Februar 2014 Berliner Kurier

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