Es geht auch mal ganz ohne Gift

Es geht auch mal ganz ohne Gift

Interview mit der ökologischen Schädlingsbekämpferin Bärbel Holl

Bärbel Holl ist Vorsitzende des Vereins zur Förderung der ökologischen Schädlingsbekämpfung.

Bad Sooden-Allendorf. In Bad Sooden-Allendorf tagte am Wochenende der Verein zur Förderung der ökologischen Schädlingsbekämpfung, ein Berufsverband professioneller, aber ökologisch orientierter Schädlingsbekämpfer. Wir sprachen mit der Vereinsvorsitzenden Bärbel Holl.

Frau Holl, ist denn eine ökologische Schädlingsbekämpfung auch wirklich verlässlich und wirksam?

Bärbel Holl: Eine ökologisch angelegte Maßnahme gegen Schadorganismen hat nicht zwingend deren Vernichtung zum Ziel, sondern die Beseitigung der Umstände, die zu einem Befall durch die jeweiligen Organismen geführt haben. Insofern ist das sehr verlässlich und zeichnet sich in vielen Fällen als sehr nachhaltig aus.

Ist denn die chemische Keule, die oft gegen die unliebsamen Krabbeltiere eingesetzt wird, auch für Menschen gefährlich?

Holl: Grundsätzlich ja und nein. Ja, weil sich die Wirkstoffe in den Bekämpfungsmitteln gegen die in Organismen ablaufenden Prozesse richten, die diesen am Leben erhalten. Nein, weil der professionelle, fachgerechte Einsatz solcher Mittel nicht dem Einsatz einer Keule gleicht. Die Ausbringung von Bekämpfungsmitteln unterliegt strengen gesetzlichen Auflagen und wird an die Schädlinge und die jeweilige Situation angepasst.

Eine ökologische Bekämpfung ist also deutlich weniger giftig?

Holl: Zwangsläufig schon. Das Wissen um die Zusammenhänge zwischen Schädling und seinem Auftreten innerhalb unserer Lebensbereiche führt dazu, ganz ohne den Einsatz von Mitteln auszukommen. Oder wir setzen Wirkstoffe ein, die nicht giftig sind. Was nicht heißt, dass diese Mittel nicht töten.

Arbeiten Sie denn völlig giftfrei oder müssen Sie doch auch mal auf gefährliche Stoffe zurückgreifen, um sicherzugehen?

Holl: Wir sind heute in der Lage, weitestgehend auf Einsatz von Wirkstoffen zu verzichten. Seltsamerweise kommt dies weder bei den Kunden noch bei den meisten Behördenvertretern so positiv an, wie wir es uns wünschen würden. Eine ökologische Schädlingsbekämpfung fordert nicht nur uns, sie fordert auch die Mitarbeit des Kunden. Und sie lässt sich in schwierigen Fällen nicht so mal eben schnell erledigen.

Sind denn die Mittel, die Sie vorzugsweise einsetzen, biologisch abbaubar und können dann niemandem mehr schaden?

Holl: Die von uns eingesetzten Mittel sind sämtlich zugelassen und dementsprechend auch auf ihre Umweltverträglichkeit und Abbaubarkeit geprüft. Hier müssen wir uns auf die Aussagen der bundesdeutschen Prüfstellen verlassen.

Als Profi haben Sie sicher Tipps, was man tun sollte, damit Schädlinge erst gar nicht überhand nehmen?

Holl: Sich frühzeitig an uns wenden. Einfach anrufen oder vorbeikommen, sein Problem schildern und unseren Rat einholen.

Was können Betroffene selbst tun, wenn es mit den Schädlingen noch nicht so schlimm ist, dass ein professioneller Bekämpfer ran muss?

Holl: Sie könnten auch die Frage stellen, ab wann Sie einen Arzt aufsuchen? Diese Frage muss jeder individuell entscheiden. Grundsätzlich aber gilt: Finger weg von käuflich zu erwerbenden Mitteln! Die können nicht nur der Gesundheit schaden, häufig wird das Problem dadurch verschlimmert. www.vfoes.de

Von Jörg Steinbach

Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) 3.3.2014

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